Think Tank: Save to Invest in the Future of Fashion

Referenten

Holger Wellner

Modehaus Wellner/Modehaus.de
Geschäftsführender Gesellschafter Modehaus Wellner/Geschäftsführer Modehaus.de

Eine strategische Allianz“, haben die Bielefelder Katag AG und die Modehaus.de GmbH in Hameln die Ende 2018 bekannt gegebene Beteiligung der Verbundgruppe an dem Hamelner Unternehmen genannt. Was wird sich ändern? Viel – für beide Partner, meint Holger Wellner. Er führt das gleichnamige Modehaus seiner Familie in Hameln und ist Spiritus Rector und Gründer von Modehaus.de. „Katag und Modehaus.de profitieren gleichermaßen von der Allianz. Die Katag verstärkt massiv ihre digitale Kompetenz, Modehaus.de bekommt durch die Katag-Modehäuser potenziell hunderte neue Partner und verfügt über eine viel bessere Finanzkraft“, sagt Wellner.

Auch ohne die Katag ist der Digitalisierungsdienstleister zügig gewachsen. Wellner spricht von ein bis zwei Modehäusern, mit denen wöchentlich Verträge unterzeichnet werden. Zur Zeit (Stand Mai 2019) sind es 315 Standorte mit zusammen rund 500.000m² Verkaufsfläche, die mit Hilfe von Modehaus.de ihre stationären Sortimente mit eigenem Online-Shop auch im Internet anbieten.

Wellner und Ole Grave, auch er ist geschäftsführender Gesellschafter, haben bildlich gesprochen schon mal die Ärmel aufgekrempelt, denn 2019 rechnen sie mit starkem Wachstum.

Die Dimensionen, mit denen Wellner rechnet, verdeutlicht die Zahl der offenen Stellen. „Im kommenden Jahr wollen wir zehn Programmierer und Entwickler einstellen.“ Ob sich die an die Oberweser nach Hameln locken lassen? „Im Moment sind wir noch optimistisch. Durch die S-Bahn haben wir eine gute Verbindung nach Hannover.“ Er will jedoch nicht ausschließen, dass der Sitz des Dienstleisters künftig woanders sein könnte. Denn bereits in zwei Jahren, so die Prognose, werde Modehaus.de zwischen 50 und 100 IT-Experten benötigen. Bislang hat der Dienstleister keine Mitarbeiter auf der Payroll. Die Programmierarbeiten wurden jeweils projektbezogen von der Digitalagentur des Mitgesellschafters Ole Grave übernommen.

Durch das schnelle Wachstum und mit der Katag im Rücken sieht Wellner Modehaus.de künftig in einer starken Stellung, und hofft, dadurch auch Standards im Interesse des Handels festlegen zu können. Beispielsweise beim Drop Shipping. Gemeint ist damit, dass die Lieferanten einzelne Artikel versenden, auf die der Handel zuvor via verlängerter Ladentheke zugegriffen hat. Wellner: „Es gibt noch keinen Standard für die Abrechnung der Kosten. Außerdem müssen wir dahin kommen, dass die Labels nicht an die Händler, sondern gleich an die Einzelhandelskunden versenden.“

(aus: TextilWirtschaft 52/2018, ergänzt im Mai 2019)